Umweltfreundlichkeit, Naturnähe und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit werden in der Hauptstadt großgeschrieben
Berlin, Oktober 2011 Ökologie, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit prägen den Lebensstil Berlins und sorgen mit dafür, dass die Metropole heute von ihren Bewohnern sowie Gästen der Stadt als ausgesprochen lebenswert empfunden wird. Der Gedanke der Nachhaltigkeit hat in Berlin eine lange Tradition: 1978 eröffnete in Kreuzberg der erste Bioladen. Heute verfügt Berlin bereits über den größten Biosupermarkt Europas.
Ein Gefühl, zu dem sicherlich auch die vielen Grünflächen Berlins beitragen. Und es werden immer mehr: In Stadtbrachen entstehen soziale Gärten und der ehemalige Flughafen Berlin-Tempelhof wird zum größten Park der Stadt. Seit der Eröffnung des Park am Gleisdreieck im September 2011 ist Kreuzberg um eine grüne Oase reicher: Das Erholungsgebiet eignet sich hervorragend zum Joggen, Ausspannen oder Rollerskaten.
Mobil ohne Auto
Rund die Hälfte aller Berliner Haushalte kommt ohne Auto aus und nutzt stattdessen das vorbildliche Nahverkehrssystem, um Tag und Nacht im ganzen Stadtgebiet mobil zu sein. Auch Besucher sind mit U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und Bus umweltfreundlich unterwegs. Die Berliner Verkehrsbetriebe tun einiges, um ihr Liniennetz nachhaltig zu gestalten: Einige Omnibusse sind bereits mit Wasserstoffverbrennungsmotoren unterwegs. Die Straßenbahnen fahren auf eigens angelegten Rasengleisen, die Luft- und Lärmbelastung reduzieren. Wer sich mehrere Tage an der Spree aufhält, kann auf das praktische und kostengünstige Erlebnisticket von visitBerlin, die Berlin WelcomeCard, zurückgreifen: Diese ermöglicht die freie und flexible Nutzung des öffentlichen Personen¬nahverkehrs und bietet zudem Rabatte bei rund 160 touristischen Highlights der Metropole (www.visitBerlin.de).
Neben Bus, Bahn und Tram ist in Berlin auch das Fahrrad beliebt: Mehr als zwölf Prozent aller Wege werden in Berlin per Fahrrad zurückgelegt - sicher und bequem dank eines 950 Kilometer langen Fahrradwegenetzes. Auch Touristen begeistern sich zunehmend für diese umweltgerechte Variante der Fortbewegung. Zahlreiche Unternehmen haben daher Entdeckungstouren per Fahrrad im Programm. Berlin on bike oder die Fahrradstation bieten geführte Fahrten zu Themen wie Architektur und Stadtgeschichte an, wobei Letztere auch bequem über die Berlin Tourist Infos buchbar sind. Fat Tire Bikes und Berlin Insider haben ein ähnliches Angebot, das sich gezielt an englischsprachige Besucher wendet. Wer die Stadt ohne Führung erkunden will, kann bei den meisten dieser Anbieter auch Fahrräder für einen oder mehrere Tage mieten.
Mieten und selber fahren – sogar ohne Führerschein – kann man auch die Solarboote der Solar Water World AG. Die Zentrale in Köpenick ist der perfekte Startpunkt, um die südöstlichen Wasserwege wie Dahme oder Müggelsee leise und emissionsfrei zu erkunden. Für bis zu zwölf Personen stehen Cruiser und sogar ein Solar-Hausboot zur Verfügung (www.solarwaterworld.de).
Umweltfreundlich, bequem, mit Chauffeur: Velotaxen und Solar-Touren
Wer es umweltbewusst mag, ohne selbst in die Pedale zu treten, kann auf das Velotaxi zurückgreifen: Die modernen Citycruiser sind mit einer Kabine aus 100 Prozent recycelbarem Polyethylen verschalt, in der sich zwei Fahrgäste bequem durch Berlin chauffieren lassen können, angetrieben allein durch die Muskelkraft des Fahrers (www.velotaxi.de). Der Anbieter Berlin Rikscha Tours setzt auf traditionelle asiatische Fahrradrikschas und bietet sogar Hochzeitsfahrten in einem weiß geschmückten Gefährt an (www.berlin-rikscha-tours.de).
Im Solarboot quer durchs Regierungsviertel und über den Landwehrkanal geht es bei der Rundtour von Solarpolis (www.solarpolis.de). Fahrgäste erfahren nebenbei einiges über die Nutzung von Sonnenenergie im Berliner Alltag. Von der CDU-Hauptzentrale Konrad-Adenauer-Haus bis hin zum Prinzenbad in Kreuzberg sind Fotovoltaiktechnik und Thermen im Einsatz. Noch näher am Wasser ist man bei den Touren von Der Kanutourist. Der Faltboot- und Kanuverleih aus Prenzlauer Berg bietet geführte Wassertouren durch Berlin und ins Umland an. Vom 2-er-Kayak aus betrachtet, bekommen Sehenswürdigkeiten wie das Charlottenburger Schloss und der Molecule Man eine ganz neue Perspektive (www.derkanutourist.de).
Industrieflächen werden grün
Berlin ist die grünste Metropole Deutschlands. Nahezu sieben Prozent des Stadtgebietes bestehen aus Wasser; darunter viele Seen und rund 180 Kilometer schiffbare Wasserstraßen. Rund 27 Prozent des Berliner Stadtgebiets sind als öffentliche Grünanlage, Wald oder landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen. Und es kommen immer noch neue Parks dazu. Im Mai 2010 wurde die 250 Hektar große Freifläche auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof für Erholung suchende Stadtbewohner und Touristen geöffnet. Seitdem nutzen Kitesurfer und Rollschuhfahrer die Startbahnen, Familien grillen und Spaziergänger lassen sich von dem endlosen Wiesenmeer bezaubern. 2017 wird in der neuen Parkanlage sogar die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) stattfinden (www.tempelhofer-feld.de).
Im September 2011 wurde eine weitere große Grünanlage eröffnet: der Park auf dem ehemaligen Bahngelände Gleisdreieck. Dieser soll in Zukunft – als grünes Pendant zum nahegelegenen Potsdamer Platz – den Berlinern sowie Gästen der Stadt Raum für Erholung bieten. Die Parkanlage mit weitläufigen, von Baumreihen umschlossenen Rasenflächen, ergänzt die seit der Nachkriegszeit bestehende vielfältige Vegetation um Moos, Gräser, Blumen, Robinien, Eichen, Birken und Götterbäume (www.gruen-berlin.de).
Auch die ufaFabrik in Tempelhof ist aus einem Industrierelikt entstanden. Schon 1979 gründeten engagierte Berliner hier ein nachhaltig ausgerichtetes Kultur- und Sozialzentrum. Die Energie stammt aus Blockheizkraftwerken auf dem ehemaligen Fabrikgelände, einige Dächer wurden begrünt und Regenwasser wird in Brauchwasser umgewandelt, was den Trinkwasserverbrauch erheblich reduziert. Eine Vollkornbäckerei sowie ein gut sortierter Naturkostladen befinden sich ebenfalls auf dem Gelände (www.ufafabrik.de). Typisch für Berlin ist auch der Kinderbauernhof in der ufaFabrik: Tiere – vom Pony bis zum Kaninchen –bringen einen Hauch von Landleben in die Metropole. Etliche Freiflächen wurden seit den achtziger Jahren zu ähnlichen ländlichen Idyllen im Großstadtalltag ausgebaut. Berlin kann rund zehn Kinderbauernhöfe aufweisen, darunter der beim Bundeswettbewerb „Lebendige Stadt“ ausgezeichnete Kinderbauernhof Pinke-Panke auf dem ehemaligen Mauerstreifen an der Wollankstraße (www.kinderbauernhof-pinke-panke.de).
Städtische Gärten
Urban Gardening gewinnt in Berlin immer mehr Anhänger. Das wohl gelungenste Beispiel ist der 2009 eröffnete Prinzessinnengarten am Kreuzberger Moritzplatz. Die Initiative Nomadisch Grün hat ein 6.000 Quadratmeter großes Gelände von der Stadt gepachtet und daraus einen fruchtbaren Garten gemacht. Heute wachsen dort 15 verschiedene alte Kartoffelsorten, Chili, Basilikum und beispielsweise Fenchel. Der Prinzessinnengarten versorgt die urbanen Gärtner mit Vitaminen aus eigener Produktion, fördert die Biodiversität und trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei. So originell wie der Ort sind auch die Anbaumethoden: Der Boden der Brache war schadstoffbelastet, deshalb wachsen die Pflanzen in mobilen, mit Erde gefüllten Kisten. Der Prinzessinnengarten betreibt aber nicht nur Ökolandbau, sondern auch aktives Community Building. Von Anfang an wurden die Anwohner mit in das Projekt einbezogen. Mehr als 700 Stadtgärtnern haben sich 2010 am Pflanzen, Pflegen und Ernten beteiligt. Ältere Kreuzberger mit Migrationshintergrund, Künstler, die erst seit Kurzem im Viertel wohnen und Kinder aus umliegenden Kindergärten kamen so zusammen. Für diese gelungene Mischung von sozialem, kreativem und ökologischen Engagement wurde der Prinzessinnengarten mit dem Utopia-Award 2010 ausgezeichnet. In den Wintermonaten ist der Prinzessinnengarten mit 100 rollenden Beeten in seinem Winterquartier in der alten Kreuzberger Eisenbahn-Markthalle zu finden (http://prinzessinnengarten.net). Ähnliche Community Garden gibt es auch an anderen Orten der Stadt, zum Beispiel die Nachbarschaftsgärten am Mariannenplatz oder der Kiezgarten Schliemannstraße in Prenzlauer Berg.
Im Zuge der Guerilla-Gardening-Bewegung tragen immer mehr Bewohner dazu bei, kleine grüne Oasen in der Stadt zu schaffen. Ob auf dem Mittelstreifen einer Hauptstraße, in vernachlässigten Pflanzkübeln oder auf so genannten „Baumscheiden“ rund um die Stadtbäume – überall ist Platz für ein paar Blumen. Besonders einfallsreiche Gärtner nutzen sogar mit Erde gefüllte Einkaufswagen als mobile Beete (www.gruenewelle.org).
Grüne Küche
Dem Trend zum Eigenanbau haben sich auch Berliner Spitzenköche angeschlossen. Etwa Michael Hoffmann vom Restaurant „Margaux“, der vom Feinschmecker-Guide 2011 zum „Koch des Jahres“ gekürt wurde. Er ist bekannt für die „kreative grüne Linie“ seiner Küche, bei der das Gemüse im Mittelpunkt steht. Den Großteil seiner Zutaten baut Michael Hoffmann auf einem 2.000 Quadratmeter großen Garten bei Potsdam selbst an, darunter seltene Sorten wie Grabudin-Rüben und Black Prince Tomaten (www.margaux-berlin.de).
Auch im vegetarischen Szenelokal Chipps und im Cookies Cream setzen die Küchenchefs auf selbst gezogenes Gemüse. Auf der Dachterrasse über dem Restaurant haben sie einen Gemüse- und Kräutergarten angelegt. In Plastikkisten, die mit Ökoerde gefüllt sind, pflanzen sie Fenchel, Heidelbeeren und Urtomaten an, die dann ein Stockwerk tiefer serviert werden. Regionaler geht’s nicht (www.cookiescream.com).
Wer keine Zeit hat, sein Gemüse selbst anzubauen, findet in Berlin eine große Auswahl von Produkten aus dem Brandenburger Umland. Obst und Gemüse, Fleisch, Käse und ofenfrisches Brot aus zertifiziertem ökologischem Landbau gibt es zum Beispiel auf dem Kollwitzplatz. Immer donnerstags baut der größte Biomarkt der Stadt dort seine rund 35 Stände auf. Wärmende Schafsfelle, Kunsthandwerk oder dekorative Bett- und Tischwäsche aus Naturfasern sind hier ebenfalls erhältlich. Auch an anderen Tagen müssen Berliner und Besucher nicht auf frische, biologisch angebaute Agrarprodukte aus dem Umland verzichten: Auf dem Lausitzer Platz (Freitag) und dem Chamissoplatz (Sonnabend) werden weitere Biomärkte abgehalten, und die großen Wochenmärkte am Winterfeldtplatz (Mittwoch, Sonnabend) und am Maybachufer (Dienstag und Freitag) haben ebenso Demeter-, Bioland- und andere Ökoware im Angebot. Die ganze Woche geöffnet und ebenfalls regional-ökologisch orientiert ist die Marheineke-Markthalle in Kreuzberg.
Gut essen mit gutem Gewissen – dafür gibt es in Berlin zahlreiche Adressen von Fast Food bis Feinschmeckerrestaurant. Viele Köche nutzen beispielsweise ausschließlich Fleisch aus Neuland- oder Bioland-Ställen, wie das griechischen Restaurant Z (www.z-restaurants.de) oder das Engelbecken am Lietzensee, das alpenländische Küche präsentiert. Dazu gehört Deftiges wie Leberkäs und Weißwürste, aber auch das Ruppiner Weidelamm aus Brandenburg fällt darunter – serviert in Form von schmackhaften „Pflanzerln“, die in Charlottenburg sonst Buletten genannt werden (www.engelbecken.de). Das Lei e Lui kocht mediterran-orientalisch und setzt dabei ganz auf Öko-Qualität: Nahezu 95 Prozent der Zutaten, die hier verarbeitet werden, stammen aus Biolandwirtschaft, bis hin zu den verwendeten Gewürzen (www.lei-e-lui.de).
Gehobene vegane Küche gibt es im La Mano Verde. Das Feinschmeckerlokal in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs serviert Kreationen wie Limetten-Mandel-Gazpacho, Auberginen-Maki oder Zitronengras-Kokos Crème Brûlée, die auch Fleischliebhaber begeistern (www.lamanoverde.de). Zahlreiche vegane Gerichte finden sich auch auf der Speisekarte des Vollwertrestaurants Naturalmente, das sich am Konzept der makrobiotischen Ernährung orientiert und zudem eine Biozertifizierung aufweisen kann. Sonntags wird ein großes Brunchbüffet aufgebaut (www.naturalmente.de). Ganzheitlicher Umweltschutz steht im Kreuzberger Foodorama auf der Agenda. Deutschlands erstes klimaneutrales Restaurant serviert vegetarisches wie Tofumaultaschen und Hummus, aber auch deftige Speisen wie Apfelstrudel und Wiener Schnitzel (www.foodorama.de).
Dass Bio und Fast Food keine Gegensätze sein müssen, beweist Supergood. Das größte Bio-Fast-Food-Lokal der Stadt liegt zentral an der S-Bahnstation Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Veggie-Burger, Wraps und Salate werden an der offenen Theke frisch zubereitet. Loungemöbel und urige Tische aus Olivenholz laden dazu ein, auch mal länger sitzen zu bleiben (www.supergood.com). Wer es deftig mag und den Berliner Klassiker Currywurst schätzt, bekommt auch die in der Bio-Version: So hat Witty’s (www.wittys-berlin.de) am Gendarmenmarkt Currywurst aus Neuland-Fleisch auf der Speisekarte. Herzhaftes mit Biosiegel finden Burgerfans bei yellow sunshine an der Wiener Straße in Kreuzberg. Das Besondere: Vom Mais- und Spinatbratling bis hin zu Sojafleisch, Räuchertofu oder Saitan ist der Belag ausschließlich vegetarisch (www.yellow-sunshine.de).
Shoppen mit gutem Gewissen
Ein gutes Gewissen steht jedem. Besonders wenn es stilsicher verpackt ist. Mehrere Berliner Modelabels verbinden Fashion mit fairen Produktionsbedingungen und Garnen aus ökologischer Produktion. Etwa das aufstrebende Label Slowmo, das zwei Geschwister 2006 in Berlin-Friedrichshain gegründet haben. Inzwischen vertreiben sie ihre außergewöhnlichen und doch tragbaren Modelle europaweit (www.slowmo.eu). Auch das Label Treches setzt Standards in Sachen Nachhaltigkeit. Der Stil der norwegischen Wahl-Berlinerin Jeanette Bruneau Rossow verbindet Streetwear mit geometrischen Formen und ungewöhnlichen Schnitten. Als Stoffe benutzt sie Öko-Baumwolle, Leinen oder Hanf (www.treches.com). Mit Berlin Denim hat die Stadt sogar eine eigene Jeanslinie, die nach ökologischen Aspekten in Kleinauflagen genäht wird (www.berlindenim.com). Diese und andere Labels präsentieren sich einmal im Jahr auf der Modemesse thekey.to, die im Rahmen der Berliner Fashion Week stattfindet und sich ganz auf Green Fashion konzentriert.
Wer sein Lieblings-Öko-Label noch sucht, findet in Berlin zahlreiche Läden, die kleine korrekte Marken aus aller Welt führen. Der erst im September 2010 eröffnete Conceptstore „de la Reh“ in der Nürnberger Straße verkauft ausschließlich „Green Fashion“. Dass die Sachen dazu auch noch super aussehen, versteht sich von selbst (www.delareh.de). Stilsicher ausgewählte Teile, die lange aktuell bleiben, gibt es bei Wertvoll in Prenzlauer Berg. Etwa Jeans von Kuyichi, Schuhe von Terra Plana oder extraweiche Unterwäsche von g=9.8, die aus Pinienfasern hergestellt wird (www.wertvoll-berlin.com).
Die Themen nachhaltig Wohnen und Schenken stehen bei „Schöner wär’s wenn’s schöner wär“ im Mittelpunkt. Das Sortiment des Conceptstores umfasst ökofaire Möbel, Wohnaccessoires, Spielwaren, Kindersachen, Papierwaren, Schreibwaren, Taschen und Accessoires (blog.schoener-waers.de/laden).
„Fair und Fabelhaft“, das sind die zwei Kriterien, die das Sortiment von Heimatgrün bestimmen. Hier gibt es nachhaltig produzierte Wohnaccessoires, Geschenkideen und Nahrungsmittel wie Kaugummi auf Naturkautschukbasis (www.heimatgruen.net). Ein Vorreiter in Sachen grüner Wohnen ist das Möbelgeschäft Green Living in der Kulturbrauerei. Wer möchte, kann sich hier von Bett bis Sofa und Lampe nachhaltig und stilvoll einrichten. Die Möbel werden soweit möglich schadstofffrei produziert. Das Holz stammt teilweise aus regionalen Tischlereien und Sägewerken (www.green-living-berlin.de).
Schadstofffreie Bekleidung, Naturkosmetik, aber vor allem jede Menge ökologisch gesunder Lebensmittel gibt es bei LPG am Senefelderplatz. Der größte Biosupermarkt Europas umfasst 18.000 Produkte, 1.600 Quadratmeter reine Verkaufsfläche über zwei Etagen, 200 Sorten Wein, 180 Sorten Käse und einen geräumigen Obst- und Gemüsebereich, der dem Einkaufsbummel echte Marktatmosphäre verleiht. Auf die Kleinen wartet eine Krabbel- und Spielecke und zur Entspannung gibt es eine spezielle Frauenlounge. Mittags werden im angeschlossenen Café kleine Mahlzeiten serviert (www.lpg-biomarkt.de).
Recycling und Upcycling
Müll vermeiden und zugleich Schönes schaffen, das ist das Prinzip des Upcyclings. Zahlreiche Berliner Möbeldesigner und Modemacher haben sich dem Prinzip „Aus Alt mach Neu“ verschrieben. Sawadeedesign fertigt zum Beispiel Tische und Wohnaccessoires aus dem Holz von gefällten Berliner Stadtbäumen (www.sawadeedesign.de). Die Designerin Anne Dettmer verwandelt alte Dielenböden in schöne Schlüsselbretter (www.annedettmer.de) und das Label rafinesse&tristesse nutzt Konservendosen als Ausgangsmaterial für Hocker und Kinderküchen (www.rafinesse-tristesse.com). Einen ebenso kreativen wie ökologischen Anspruch hat Dollyrocker in der Gärtnerstraße: Dort entstehen aus abgelegter Kleidung hübsche, bunte Kindersachen: Aus einem Herrenhemd wird ein Mädchenkleid, aus einem Handtuch eine T-Shirt-Borte (www.dollyrocker.de).
Wer die ganze Bandbreite des nachhaltigen Konsums entdecken will, der sollte sich schon einmal das Wochenende vom 26. und 27. März 2011 vormerken. Dann findet der 3. Berliner Heldenmarkt im Postbahnhof statt. Die erste Verbrauchermesse rund um nachhaltigen Genuss, Konsum und energieeffiziente Technik präsentiert auf 2.000 Quadratmetern rund 100 Aussteller (www.heldenmarkt.de).
Auf den Spuren der Nachhaltigkeit
Wer Trends wie Urban Gardening und Fair Fashion auf die Spur kommen will, bucht am besten eine Führung bei goArt bzw. ID22. Die Agenturen, die sich auf die kreativen Seiten der Hauptstadt spezialisiert hat, bieten auf Anfrage eine Tour zum Thema „Green Design“. Wahlweise zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln geht es zu Orten, die für kreativen, ökologischen und fairen Lifestyle in Berlin stehen. Zum Beispiel an den Moritzplatz, wo sich mit dem Prinzessinnengarten, einem Green Design-Laden und dem Beta-Haus eine richtige Nachhaltigkeits-Szene entwickelt hat (www.goart-berlin.de/Sustainable.htm / www.id22.net ).
Übernachten: Grüne Konzepte in allen Kategorien und Lagen im Kommen
Berlin hat die modernste Hotellandschaft Europas – kein Wunder, dass sich hier auch Häuser finden, die ganz auf den neuen Trend zu Natur und Nachhaltigkeit setzen: So hat das z. B. Maritim proArte seit dem Sommer 2007 eine Bio-Zertifizierung. Zum Mittagstisch ist nun täglich ein Biogericht im Angebot, das Fleisch wird über eine regionale Erzeugergemeinschaft bezogen. „Grüne“ Prinzipien gelten auch im Maritim Hotel Berlin in der Stauffenbergstraße, wo Energie sparen, Abfälle trennen und die Natur schonen mittlerweile großgeschrieben wird (www.maritim.de). Ökostandards und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind jedoch nicht an die Hotelkategorie gebunden: Eine Solaranlage auf dem Dach, die zur Warmwasseraufbereitung und zur Heizunterstützung dient, kann beispielsweise auch das Hostel Die Fabrik aufweisen (www.diefabrik.com).
Mit der Eröffnung des Scandic Hotels am Potsdamer Platz hielt nordischer Charme Einzug in Berlins neue Mitte. Seit Oktober 2010 bietet das Haus seinen Gästen 563 Zimmer, mehrere Restaurants und modern ausgestattete Konferenzräume. Zudem liegt der Fokus auf dem Bereich „Green Meetings“ und umweltfreundlichen Services (www.scandichotels.com).
Ganz auf natürliche Materialien, die chemikalienfrei und so nicht nur ökologisch unbedenklich sind, sondern auch für ein allergikerfreundliches Raumklima sorgen, setzt das Hotel Bleibtreu. Weiterer Bio-Pluspunkt: Im hoteleigenen Restaurant 31 kommen gesunde und fettarme, vielfach ökologische Zutaten zum Einsatz (www.bleibtreu.com).
Noch mehr „Öko“ kann das Hotel MitArt an der Linienstraße aufweisen: Hier sind 100 Prozent der Rohstoffe ökologisch zertifiziert – das umfasst dann nicht nur die Nahrungszubereitung, sondern auch alle Reinigungsmittel. Energie- und Wasser werden nachhaltig, also besonders sparsam verwendet, zwei Etagen des Hauses sind komplett rauchfrei, und eingekauft wird in erster Linie in der Region. Zusätzlich hat das „erste Bio-Hotel der Stadt“ noch einen künstlerischen Schwerpunkt: Alle 30 Zimmer wurden individuell gestaltet und präsentieren wechselnde Fotografie- oder Malereiausstellungen internationaler Künstler (www.mitart.de).
Green Meetings in Berlin
Mit zunehmendem Umweltbewusstsein steigt nicht nur die Nachfrage nach umweltfreundlichen Hotels sondern auch nach Veranstaltungsorten. Das Berlin Convention Office (BCO) von visitBerlin hat diesen Trend erkannt und gemeinsam mit den Berlin Preferred Agencies einen einzigartigen Internet-Auftritt entwickelt. Auf der „BERLIN – Green Meetings“-Plattform sind eine Vielzahl von Berliner Hotels und touristischen Anbietern aufgeführt, die bereits aktiv ökologisch nachhaltige Maßnahmen umsetzen und sich zu einem verantwortlichen Einsatz von natürlichen Ressourcen zugunsten der Umwelt verpflichtet haben. Nutzer erhalten nicht nur einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Dienstleister, sondern ebenfalls interessante Fakten zum grünen Berlin (www.berlin-green-meetings.de).
Grüne Gebäude
Wer sehen will, wie schön und praktisch nachhaltiges Bauen sein kann, der ist in Berlin am richtigen Ort. Der Mauerstreifen und zahlreiche andere Brachen haben Architekten in den vergangenen Jahren viel Platz geboten, um ihre Visionen zu verwirklichen. Entstanden sind Bauwerke mit geringem Energieverbrauch und kluger Ressourcennutzung, die ein gesundes Umfeld zum Wohnen und Arbeiten bieten. Das beginnt schon bei Berlins prominentestem Gebäude: dem Reichstag. Die von Norman Foster entworfene Glaskuppel funktioniert als Tageslichtsystem, Energie kommt unter anderem aus einem komplexen Kälte- und Wärmespeichersystem im Grundwasser. Auch der Rest des Regierungsviertels erfüllt modernste Anforderungen bezüglich Ressourcenschonung und Umweltschutz. Das Jakob-Kaiser-Haus etwa hat nicht nur ein begrüntes Dach mit Fotovoltaikzellen, sondern auch eine spezielle mehrschichtige Glasfassade, die für Wärmedämmung sorgt.
Auch „unpolitische“ Berliner Gebäude stehen ganz im Zeichen des Klimaschutzes. International gefeiert wurde die durchdachte Architektur des von Sauerbruch Hutton entworfenen GSW-Hochhauses in der Kochstraße. Die zweischalige Energiesparfassade besteht aus vielen in zarten Rottönen schillernden Sonnenschutzlamellen, die ein subtiles Farbenspiel schaffen. Ein anderes Beispiel für umweltbewusstes Bauen ist die ebenfalls von Norman Foster entworfene Philologische Bibliothek der Freien Universität in Berlin Dahlem. Das sogenannte „Berlin Brain“ verbindet Ästhetik mit Klimaschutz. Die gesamte Elektro- und Heizungsenergie stammt zum Beispiel aus Rapsöl-betriebenen Motoren.
Eine Bustour rund um nachhaltiges Bauen haben die auf Berliner Architektur spezialisierten Stadtführer von „Ticket B“ entwickelt. Die 4-stündige Rundfahrt schließt auch Innenbesichtigungen einiger besonders innovativer Gebäude mit ein (www.ticket-b.de).
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